Ich bin in der Politikverdrossenheit angekommen

Bis vor einiger Zeit habe ich Politikverdrossenheit für eine Ausrede der Desinteresse gehalten. Ich bin absolut nicht der Politikfreak, aber ich habe mir bis jetzt immer die Wahlkämpfe angesehen und mich auch etwas damit beschäftigt.

Dieses Jahr ist es ganz anders. Dieses Jahr regt mich der Wahlkampf nur auf. Ich will davon eigentlich nichts mehr wissen. Sämtlichen beteiligten fehlt es meiner Meinung an Respekt den anderen und den Österreichern gegenüber.

Es gibt eigentlich keine Argumente mehr von den Partein warum man sie wählen soll. Alle rufen sie „Wählt mich, ich bin der Bessere!“ oder „Ihr könnt doch nicht die anderen wählen. Die sind Schuld!“ oder „Wählt ja nicht die anderen, das sind die Bösen, Nazis, Kapitalisten, Links-Linke usw.“

Jeder will die Gegner in Grund und Boden stampfen und freut sich, wenn nach der Auszählung der Stimmen, bildlich gesprochen, mit einem Blauen Auge, einem Arm in der Schlinge oder sonst irgendwie noch halbwegs gerade stehen kann.

Ich schalte mittlerweile auch schon von sämtlichen Wahldiskussionen weg. Ich kann diese Phrasen und leeren Worthülsen schon nicht mehr hören. Es interessiert mich auch nicht mehr. Wenn das diese Politikverdrossenheit ist, hat sie mich voll erwischt. Oder bin ich einfach nur vom Verhalten der Wahlkämpfer angepisst?

Was ich mir vom nächsten Wahlkampf wünschen würde, für diesen ist es ja schon viel zu spät, ist ein vernünftiger Umgang mit einander. Außerdem soll der Wahlkampf auf Fakten und ernstzumeinenden Verbesserungen aufgebaut sein und nicht in einem Streit wie im Kindergarten enden.

Ich werde auf jeden Fall am 15. Oktober zur Wahl gehen. Wem ich dort meine Stimme geben werde, weiß ich absolut noch nicht. Aber ich mache, Politikverdrossenheit hin oder her, von meinem Wahlrecht gebrauch.

2 thoughts on “Ich bin in der Politikverdrossenheit angekommen”

  1. Da bist du nicht der einzige.
    Das Traurige an der Sache ist ja, dass es die Politiker nicht zu merken scheinen. Da wird lieber auf den anderen hingedroschen, dass eine deftige Wirtshausschlägerei, in der die Bierkrüge fliegen, dagegen wie ein Treffen in der Stillgruppe erscheint.
    Das noch Traurigere daran ist, dass viele aufs Wählen pfeifen werden, sich denken, dass sie diesen Zirkus nicht weiter unterstützen wollen. Ein wenig kann man’s auch verstehen.
    Das noch Traurigere ist, dass genau das viele Wutwähler an die Urnen locken wird, die ihr Kreuzchen aus Wut setzen werden und nicht aus Vernunft, aus Überlegungen heraus, die über ein „Jetzt zeig ich’s denen aber!“ hinausgehen.
    Inhalte zählen.
    Heißt es.
    Aber wo sind sie?
    Sie sind da.
    Aber sie verkommen.
    Weil ein Schmutzküberl mehr medialen Wind macht als ein sachliches Argument.
    Das ist schade.
    Und ja: Ich gehe auch wählen.

    1. Ich hatte einiges an Zuspruch und Bestätigung, was meinen Eindruck des aktuellen Wahlkampfes angeht.
      Deine Beschreibung trifft es sehr gut. Auch die Angst mit den Wutwählern teile ich.
      Ich werde mich dann kurz vor der Wahl noch hinsetzen, die Inhalte, die es irgendwo gibt durchdenken und dann meine Entscheidung treffen.
      Wählen werde ich auf jeden Fall.

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