Gedankenaustausch mit der ÖBB

Das neue Eisenbahnjahr fängt Mitte Dezember an. Das ist auch der Zeitpunkt für kleine Anpassungen und große Umstellungen. Im Dezember 2017 nutzte die ÖBB die Gelegenheit ihr Personen-Leitsystem im Raum Wien umzustellen. Zusätzlich zu neuen Wegweisern und Plänen wurde auch die Art der Anzeigen auf den Bahnsteigen verändert. Nicht zum Gefallen der langjährigen Pendlern.

Die neue Anzeigenart sorgte bei uns Pendler für einiges an Verwirrung und Unmut. Den haben einige von uns auch in den sozialen Medien geäußert. Dieses Feedback hat sich die ÖBB zu Herzen genommen und ein Treffen von Pendlern mit Projektverantwortlichen in der Unternehmenszentrale organisiert. Dieser Einladung ins InnovationLab bin ich gerne nachgekommen. Wenn man schon die Möglichkeit für einen direkten Erfahrungsaustausch hat, will ich den auch gerne nutzen.

Die Anzeige vorher – nachher

Bisher wurde an den Bahnsteiganzeigern das Ziel und die Abfahrtszeit angezeigt. Darunter gab es kleingeschriebene Zusatzinfos. Diese Anzeige sieht man aktuell noch außerhalb der Wiener Stammstrecke.

Jetzt wurde es in Wien umgestellt. Die Anzeigen zeigen die letzte Station auf der Wiener Stammstrecke an und darunter und kleiner „Weiter nach…“. Es wird auch nicht mehr die Abfahrtszeit angeschrieben, sondern die „Ankunft in x Minuten“. Wie bei den U-Bahnen.

Hier ein typisches Pendlerbeispiel. Wenn ich um 17:16 am Praterstern früher auf die Anzeige geschaut habe, sah ich:

Um 17:21 fährt der Zug nach Stockerau ab. Er hält nicht in allen Stationen.

Jetzt sehe ich:

In 5 Minuten fährt der Zug nach Floridsdorf ab. Der fährt dann weiter nach Stockerau, hält aber nicht in allen Stationen.

Dass eben der neue Anzeigensyntax nicht mit dem Syntax auf den Info-Monitoren über einstimmt, war einer meiner Hauptkritikpunkte.

Die Idee dahinter

Die ÖBB hat das nicht gemacht, weil ihnen fad war. Es wurde festgestellt, dass die ÖBB für Wiener Öffi-Nutzer nicht existent ist. Viele Wiener fahren angeblich, wenn sie von der Praterstraße zum Anfang der Landstraßer Hauptstraße müssen, eher mit der U-Bahn zum Schwedenplatz und von dort weiter nach Wien Mitte, als eine Station mit der Schnellbahn zu fahren.

Außerdem sind die Kapazitäten der Wiener Linien schon sehr am Limit und die ÖBB möchte eine Entlastung für die U-Bahn bringen.

Vielen Wienern ist auch nicht bekannt, dass ihre Wiener Linien Karten in der Kernzone auch bei der ÖBB gilt. Es wissen auch die wenigsten, dass auf der Wiener Stammstrecke die Züge überall stehen bleiben. Auch wenn es hieß „Hält nicht in allen Bahnhöfen und Haltestellen“. Hier ist sicher noch einiges an Aufklärungsbedarf gegeben.

Mein persönlicher Eindruck und mein Fazit

Auf der Suche nach neuen Kunden versucht man dem Wiener mit „Wiener Zielen“ und einer U-Bahn-ähnlichen Anzeige die Schnellbahn, das unbekannte Wesen, schmackhaft zu machen. Für Leute, die in Wien unterwegs sind, ist das auf jeden Fall eine gute Lösung.

Aber bei uns Pendler, die von außerhalb kommen, kann es schon etwas ungemütlich werden. Wenn man sich jetzt in einen falschen Zug verirrt, weil man die „Weiter nach…“-Info nicht gut verstanden hat, dann biegt der Zug nach Floridsdorf in die falsche Richtung ab und man kommt um einiges später nach Hause. Man muss zu erst schauen, wie man nach Floridsdorf zurückkommt und dann in die richtige Richtung zu fahren. Da kann man schon glücklich sein, wenn es nur eine halbe Stunde ist. Ein anderer Grund kann auch sein, dass man in einen verspäteten Zug einsteigt, weil ja keine Abfahrtszeiten mehr angeschrieben sind und der gewünschte Zug jetzt eigentlich fahren sollte.

Bei dem Feedback-Gespräch waren sieben Pendler und die ÖBB-Projekt-Manager und Mitarbeiter des Social-Media-Teams anwesend. Es war ein konstruktives und interessantes Gespräch. Man hat sich die Einwände und Gedanken von uns Pendler angehört und mitgenommen. Seitens der ÖBB hat man auch gesagt, dass es nur eine erste Version zum Antesten war. Es folgen noch Kundenbefragungen und es müssen auch noch einige Feineinstellungen erledigt werden.

Außerdem müssen bei den Anzeige-Systemen auch noch viele andere Aspekte, wie Bauvorschriften, Vorgaben für Schriftgrößen, technische Umsetzbarkeit am kleinsten gemeinsamen Nenner, berücksichtigt werden.

Ich bin schon gespannt, was die Zukunft bringen wird und werde es natürlich im Auge Behalten.

Zugabe

Zum Abschluß wurden wir noch zu einem Besuch in der Verkehrsleitzentrale eingeladen.

Für die bildliche Gestaltung habe ich auf Tweets von Niki Schmölz (@NikiSchmoelz) zurückgegriffen. Er betreibt auch den Eisenbahn-Blog, der sich mit der Zukunft der Bahn beschäftigt. Er sagt auch „Nachhaltigkeit beginnt auf der Schiene“.